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Maximaler Tarifdschungel – minimale Preisanschrift

 

Seit 1. März 2015 dürfen Taxis mit Bewilligung der Stadt Zürich neu diverse Tarife in ihrer Taxuhr programmieren und anwenden. Diese Preise können über 30% höher sein als der bisherige Höchsttarif.  Es kann somit beispielsweise einen Auswärtstarif, einen Nachttarif oder Kurzstreckentarif geben. Die einzige Auflage ist, den aktuell angewendeten Tarif innen und aussen am Fahrzeug anzuschreiben. 

Die Preissicherheit geht verloren

Die wenigsten Kunden beachten die Preisanschrift am Fahrzeug, sind doch diese erstens bewusst klein gehalten (8x20cm) und zweitens müssen sie nur auf einer Fahrzeugseite angebracht werden. Die entscheidendste Frage ist: Wer soll das Ganze kontrollieren? Der Taxikunde oder die Polizei? Welcher Fahrgast kann schon die Preisbeschriftung mit der aktuell gefahrenen Taxe vergleichen und daraus den Schluss ziehen: Der angezeigte Preis ist höher als der deklarierte Preis. Die Einhaltung der geltenden Taxiverordnung ist leider schon grundsätzlich ein Vollzugsproblem, das sieht man eindrücklich an den mindestens 300 nicht bewilligten Taxis und am Problem der Fahrtenverweigerung am Hauptbahnhof. Beides ist in den meisten Fällen klar eine gesetzeswidrige Situation, welche schon seit Jahren wie selbstverständlich zum Zürcher Taxi-Alltag gehört und dennoch praktisch nie sanktioniert wird.

Leider wurde es verpasst, eine kundenfreundliche und verständliche Deklaration einzuführen. Anhand eines Referenzpreises (Hauptbahnhof-Flughafen) könnte der Kunde einfach feststellen, ob es sich bei einem Fahrzeug eher um ein günstiges oder um ein teureres Taxi handelt.

Taxikommission der Stadt Zürich (TAKO)

Die Initianten dieser Tariferhöhung waren Anfang 2015 die beiden marktbeherrschenden Vermittlungszentralen 7x7 Fahrdienste AG und Taxi 444 AG, die zusammen ca. 800 angeschlossene Taxis disponieren. Allerdings gehören diese Taxis nicht den beiden Unternehmen, sondern werden von selbstständigen, im Anschlussverhältnis tätigen Haltern und Halterinnen betrieben, die so genannten «abhängigen» Unabhängigen. Die beiden Vermittlungszentralen verfügen über eine komfortable Stimmenmehrheit in der TAKO. Die TAKO wiederum berät den Stadtrat von Zürich in allen mit dem Taxigewerbe zusammenhängenden Fragen. Im Normalfall werden sämtliche Anträge der TAKO vom Stadtrat der Stadt Zürich in Kraft gesetzt. Somit ist die TAKO die hauptverantwortliche Instanz für die ganze Zürcher Taximisere der letzten Jahre. Das massive Überangebot an Taxis führt einerseits zu einem deutlichen Qualitätsverlust andererseits sind die allermeisten Taxifahrer und Taxifahrerinnen in ihrer Existenz bedroht. Die Postkarten-Aktion«Beschriftung schafft Transparenz», die «Einfach Pauschal» seit November 2014 durchführt hat, hat klar ergeben, dass die 1573 bewilligten Taxis der Stadt Zürich mindestens 1 Million Franken Umsatz pro Monat an die ca. 300 nicht bewilligten Taxis verlieren. Zudem ist es laut Stadtrat nicht von der Hand zu weisen, dass einzelne Sozialhilfeempfänger im Taxigewerbe tätig sind. Ob diese Tatsache zu Wettbewerbsverzerrungen führe, könne laut Stadtrat nicht beurteilt werden. Es wäre Aufgabe der TAKO abzuklären, wie viele Sozialhilfeempfänger im Taxigewerbe tätig sind und welche monatlichen Kosten daraus resultieren.  Des Weiteren wäre abzuklären, welchen Sozialversicherungsstatus diese Bezüger haben und ob alle bewilligten Taxis ihre Sozialversicherungsbeiträge ordnungsgemäss an die AHV entrichten. Gemäss TAKO-Protokoll vom 11. Dezember 2014 betreiben 1393 Halter 1573 Taxis, das heisst, fast 90 % aller Taxis sind offenbar selbständig erwerbend.

Warum erhöhen diejenigen, die die Preiserhöhung durchsetzten, jetzt ihre Preise nicht?

Die beiden marktbeherrschenden Vermittlungszentralen haben ihre angeschlossenen Taxihalter angewiesen, die Preise per 1. März 2015 nicht zu erhöhen. Offensichtlich existiert zwischen 7x7 und 7x4 weiterhin eine Preisabsprache, wie sie bereits seit der Einführung des Höchstpreises im Jahr 2011 bestanden hat.

Natürlich gibt es viele gute Gründe, die Preise nicht zu erhöhen:

·      Das mit fast 2000 Taxis massive Überangebot in der Stadt Zürich.

·      Der Markteintritt des Vermittlers Uber (Uber Pop, Uber Black, Uber X).

·      Die aktuell tiefen Benzinpreise.

·      Der allgemeine Preisdruck durch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses.

Dass der Stadtzürcher Taximarkt ein so miserables Image hat, ist leider kein Zufall. Es ist das Produkt vieler falscher bzw. nicht getätigter Entscheidungen:

·      Keine Kontingentierung der Betriebsbewilligungen.

·      Kein einheitliches Qualitätsniveau bzw. Qualitätslabel.

·      Mangelnde Sprachkenntnisse; das verlangte Zertifikat B1 entspricht nicht den Anforderungen.

·      Fehlende Sanktionierung bei nicht Einhalten der geltenden Taxiverordnung (Beförderungspflicht, nicht
    bewilligte Taxis).

Da die Vermittlungszentralen nach eigenen Angaben unter der schlechten Dienstleistungsqualität und dem miserablen Image der gesamten Taxibranche leiden, sollte nun mit einem neuen, extrem hohen Höchstpreis der Versuch unternommen werden, dass sich die unabhängigen Taxis total ins Abseits manövrieren. Die Fahrer und Fahrerinnen der unabhängigen Taxis sollten dazu verleitet werden, mit ihrem durchschnittlich tieferen Qualitätsniveau die Preise ab den Standplätzen zu erhöhen. Dazu wurde wieder einmal die freie Taxiwahl aus dem Mottenschrank geholt, obwohl sich diese nur in den allerwenigsten Fällen als praktikabel erwiesen hat. 90% der Fahrgäste nehmen nach wie vor einfach den vordersten Wagen und werden von den hinteren Fahrern auch dazu aufgefordert. Eine klare Signalisation auf den Taxiplätzen, die auf die freie Taxiwahl aufmerksam machen würde, fehlt gänzlich. Die freie Taxiwahl an Standplätzen ist nur etwas für selbstbewusste und durchsetzungsstarke Fahrgäste. Die Vermutung liegt nahe, dass hier ein grosses Konfliktpotenzial entsteht, welches viele Fahrgäste abschreckt. Es soll sie dazu bringen, vermehrt bei den Zentralen telefonisch zu bestellen oder nur noch in 7x7 oder 7x4 gekennzeichnete Wagen einzusteigen. Die Wagen der Vermittlungszentralen sollen den Kunden Preissicherheit und Vertrauen signalisieren.

Das eigentliche Ziel der beiden Vermittlungszentralen ist die gemeinsame Monopolisierung des Taximarktes der Stadt Zürich. Hunderte von Taxihaltern und Taxihalterinnen sind in ihrer Existenz bedroht. Wer sich als unabhängiger Taxihalter an geltende Gesetze hält und seinen Fahrgästen jeden Tag eine saubere und korrekte Dienstleistung bietet, kann praktisch nicht mehr überleben. Nur wenn er dem Taxi-Kartell fast Fr. 1'000.- pro Monat für Anschlussgebühren abliefert, ist sein Überleben halbwegs gesichert. Diese Situation ist unhaltbar und hat nichts mit freier Marktwirtschaft zu tun. 

Die Lösung liegt so nah

Es gäbe eine einfache Strategie, diesen kunden- und fahrerunfreundlichen Machenschaften ein Ende zu setzen: Taxis ab Standplätzen und auf der Strasse müssen spürbar günstiger sein als telefonisch bestellte Taxis. Sei es mit Pauschalpreisen, nicht geltend gemachter Grundtaxe oder tieferem Kilometerpreis. Wenn der Kunde merkt, dass ein telefonisch bestelltes Taxi grundsätzlich teurer ist als ein Taxi ab Standplatz oder auf der Strasse, würde sich die Situation ändern.  Der Fahrer eines telefonisch bestellten Taxis muss zuerst zum Kunden fahren, das kostet Zeit und Geld. Beim spontanen Einsteigen sollte der Kunde deshalb einen Preisvorteil erhalten. Leider sind wir mittlerweile weit von dieser Lösung entfernt. Bereits ca. 80 % der unabhängigen Fahrerinnen und Fahrer haben ihre Preise um ca. 30 % erhöht. 

 

 

Einfach-Pauschal – Sicher günstiger Taxifahren.

Fast 90 % der Fahrer und Fahrerinnen von bewilligten Taxis der Stadt Zürich sind selbständige Unternehmer. Sie können den Preis für ihre Dienstleistung selber festlegen. Das heisst, Sie können mit dem Fahrer oder der Fahrerin vor Antritt der Fahrt einen Preis unterhalb des Maximaltarifes vereinbaren. Preise über dem Maximaltarif sind verboten. Bei jeder Pauschalfahrt muss die Taxiuhr eingeschaltet werden. Wird der vereinbarte Preis oder der vereinbarte Zielort erreicht, ist die Taxiuhr zu stoppen. 

 
Das Taxischild der Stadt Zürich mit Betriebsbewilligung-Nr. 158

Das Taxischild der Stadt Zürich mit Betriebsbewilligung-Nr. 158